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Aufnahme in Dorfentwicklungsprogramm - Merzen und Neuenkirchen nehmen ihre Zukunft in die Hand

Den Bescheid über die Aufnahme der Dorfregion Merzen-Neuenkirchen übergaben Michael Bürgel und Uwe-Heinz Bendig (von links) vom Amt für regionale Landesentwicklung in Osnabrück persönlich an Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay und ihre Bürgermeister-Kollegen Vitus Buntenkötter und Gregor Schröder. Foto: Christian Geers

Neuenkirchen/Merzen. Nun haben es die Gemeinden Neuenkirchen und Merzen schwarz auf weiß: Die beiden Kommunen sind in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen worden.

Einen Monat nach der Mitteilung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, nach der sich Merzen und Neuenkirchen als Dorfregion Merzen-Neuenkirchen erfolgreich um die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm beworben haben, ist der schriftliche Bescheid auf dem Briefbogen der Dienststelle des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) eingetroffen. „Ohne Bescheid geht es nicht“, schmunzelte Uwe-Heinz Bendig. Der ArL-Mitarbeiter war zusammen mit seinem Kollegen Michael Bürgel ins Neuenkirchener Rathaus gekommen, um Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay und den Bürgermeistern Gregor Schröder (Merzen) und Vitus Buntenkötter (Neuenkirchen) besagtes Dokument samt Informationsmappe persönlich auszuhändigen.

Eine „Nasenspitze“ vor den Mitbewerbern

„Das ist heute der offizielle Startschuss“, sagte Bendig, nicht ohne zu erwähnen, dass die beiden Gemeinden ein aufwendiges Antragsverfahren erfolgreich durchlaufen hätten. „Sie lagen eine Nasenspitze vor Ihren drei Mitbewerbern“, verriet der Dezernatsteilleiter, dass im Landkreis Osnabrück in diesem Jahr nur die Dorfregion Merzen-Neuenkirchen in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen worden sei .

Auch für Modellversuch ausgewählt

Die Dorfregion Merzen-Neuenkirchen gehört außerdem zu den zehn Dorfregionen, die das niedersächsische Landwirtschaftsministerium für den Modellversuch „Soziale Dorfentwicklung“ ausgewählt hat. Hier geht es in erster Linie nicht um die Gestaltung von Straßen und Plätzen, sondern um das soziale Gefüge eines Ortes als Mittelpunkt für die dort lebenden und arbeitenden Menschen, um seine Stärken und seine Schwächen. Es gelte, die Lebendigkeit der Dörfer auf dem Land zukunftsfest zu machen, fasste Uwe-Heinz Bendig es zusammen. Wie dieser Schwerpunkt in den Dorfentwicklungsprozess eingebunden wird, steht Mitte August fest. Dann wird das Landwirtschaftsministerium den Modellkommunen nähere Einzelheiten mitteilen.

Innenentwicklung steht im Fokus

Die beiden Mitarbeiter des Amtes für regionale Landesentwicklung in Osnabrück hoben hervor, dass das Dorfentwicklungsprogramm nicht mit dem Dorferneuerungsprogramm verglichen werden könne, das beide Gemeinden vor mehr als zwei Jahrzehnten durchliefen. Während bei der Dorferneuerung vorwiegend „Investitionen in Stein und Beton“ zur Verschönerung der Orte im Vordergrund standen, ist dies bei der Dorfentwicklung grundsätzlich auch möglich. Hier arbeitet aber eine Dorfregion gemeinsam an Themen, die letztlich die Innenentwicklung in den Fokus nehmen und im Idealfall Antworten auf Fragen geben wollen: Wie wirken sich landwirtschaftlicher Strukturwandel und Demografie auf die Dörfer aus? Wie lässt sich die Nahversorgung vor Ort sichern? Wie gehen die Kommunen mit Leerständen um? Wie können Vereine bestehende Strukturen sichern?

Diskussion mit allen Altersgruppen

Diese und andere Themen und Handlungsfelder gelte es gemeinsam mit den Bürgern zu bearbeiten, so Bendig. Am Ende des Dialogprozesses mit allen Altersgruppen werde der Dorfentwicklungsplan, eine Art Leitfaden für das weitere Handeln, formuliert. „Und die Arbeit daran ist ein spannender Prozess“, berichtete Michael Bürgel über seine Erfahrungen. Er sehe gute Voraussetzungen und vergab wie sein Kollege einige Vorschusslorbeeren: „Hier gibt es eine aktive Bürgerschaft.“ Sollte heißen: Hier gibt es Einwohner, die viele Impulse und Anregungen geben.

Planungsbüro soll im Herbst ausgewählt werden

So geht es weiter: Im Herbst will die Samtgemeinde Neuenkirchen – sie übernimmt für die Gemeinden Merzen und Neuenkirchen die organisatorischen Aufgaben – ein Büro beaufragen, das gemeinsam mit den Bürgern besagten Dorfentwicklungsplan erarbeitet und die Diskussion moderiert. Dann folgt als Auftaktveranstaltung eine Bürgerversammlung. Ein bis eineinhalb Jahre könnte der Arbeitskreis Themen und Ziele bearbeiten. Der Plan wird letztlich von den Gemeinderäten verabschiedet und vom ArL genehmigt. Im Anschluss folgt eine sieben bis acht Jahre dauernde Förderphase, in der die einzelnen Projekte verwirklicht werden – öffentliche wie auch die von Privatleuten. Fest steht für die Bürgermeister Gregor Schröder und Vitus Buntenkötter, dass trotz finanzieller Förderung „auch erhebliche Eigenmittel bereitgestellt werden müssen“.

„Eine einmalige Chance für die Gemeinden“

„Der Unterschied zum Dorferneuerungsprogramm ist, dass hier kein starrer Maßnahmenkatalog abgearbeitet wird, sondern die Dinge immer wieder neu gedacht und Ziele neu formuliert werden können“, erklärte Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay. Diese Flexibilität erlaube, sich Themen zu widmen, die bei der Erarbeitung des Dorfentwicklungsplanes keine Rolle gespielt hätten. Wie viel Geld in die Dorfregion fließt, steht allerdings noch nicht fest, erklärte Uwe-Heinz Bendig. Es gebe kein festes Budget pro Dorf. „Die Qualität der Projekte gibt den Ausschlag.“ Je nachdem, wie viel Fördermittel pro Jahr zur Verfügung stünden, entscheide ein Ranking über den Zuschlag. Viel wichtiger war den ArL-Mitarbeitern aber dieser Hinweis: „Das Dorfentwicklungsprogramm ist eine einmalige Chance für die Gemeinden. Die kommt so schnell nicht wieder.“

Zur Sache

85 Dorfentwicklungsverfahren

Bereits 2016 hatten sich die Gemeinden Merzen und Neuenkirchen um Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen beworben. Allerdings wurde ihre Bewerbung abgelehnt. Ende Juli 2017 hatten die beiden Kommunen ihren Antrag überarbeitet und gehörten damit zu den 14 Dorfregionen mit insgesamt 58 Dörfern, die in das Landesprogramm aufgenommen wurden. Laut Landwirtschaftsministerium sind 85 Dorfentwicklungsverfahren mit 800 beteiligten Dörfern in der Förderung. Die Dorfregion Merzen-Neuenkirchen bilden die bis 1972 selbstständigen Gemeinden Lechtrup-Merzen, Südmerzen, Neuenkirchen, Lintern und Steinfeld. cg

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1394575/merzen-und-neuenkirchen-nehmen-ihre-zukunft-in-die-hand-1

 

11. Juli 2018, 09:46 Uhr