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Arbeitsgruppe „Haarmeyer“

Im Pfarrheim in Neuenkirchen trifft sich in den vergangenen Wochen eine Gruppe von Neuenkirchenern, die auf den ersten Blick bunt zusammen gewürfelt scheint. Doch beim näheren Hinsehen und –hören erkennt man, was diese Leute zusammen gebracht hat: die Sache Haarmeyer. Im vergangenen Sommer hat der Betreiber des Hotels Haarmeyer, Sebastian Senger, sich mit dem Kirchenvorstand auf die Aufgabe des Betriebes des Gasthauses geeinigt. Somit ereilt das über zweihundert Jahre alte Gasthaus ein Schicksal, das es mit vielen in Deutschland teilt, nämlich eine unsichere Zukunft. Es ist ein bundesweites Phänomen, dass Gastronomiebetriebe auf dem Land ihre Türen schließen, da Nachfolger oder Pächter nicht in Sicht sind.

Schon einige Ortschaften weiter rollen Bagger an, um dort ein traditionsreiches Gasthaus abzureißen, um Platz für Wohnraum oder andere Baupläne zu schaffen. „Das wäre natürlich das Schlimmste, was uns passieren könnte“, ist die Meinung des Kirchenvorstands, der sich der Sache Haarmeyer angenommen hat und nach Lösungen sucht, die Immobilie für Neuenkirchen zu erhalten. Eine erste Voraussetzung dafür hat der Kirchenvorstand bereits geschaffen. In Abstimmung mit dem Bistum Osnabrück wurde der vor 17 Jahren mit Sebastian Senger abgeschlossene Mietkaufvertrag rückabgewickelt, damit fällt die Immobilie wieder zurück an die Kirchengemeinde als Eigentümer. „Dass eine Kirchengemeinde aber keinen Gastronomiebetrieb samt Kneipe und Saal betreiben kann und darf, sollte dabei allen klar sein“, heißt es vom Vorstand. „Wir können nur die Voraussetzungen schaffen, den Haarmeyer für unser Dorf zu erhalten. Wir können nicht hinter der Theke stehen.“

Um eine Zukunftsperspektive für das Gasthaus zu erarbeiten, hat der Kirchenvorstand eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen und Neuenkirchener Bürger dazu eingeladen, ihre Ideen und ihr Engagement einzubringen. Denn eine Immobilie in dieser Größe instand zu setzen und zu erhalten, ist ein Vorhaben, das man nicht zwischen Tür und Angel abwickelt. Darum wird bei den Treffen der Arbeitsgruppe angeregt diskutiert und verschiedene Möglichkeiten werden abgewogen. Alle am Tisch sind sich in einer Sache einig und haben ihr Ziel klar formuliert: der Erhalt des Gasthauses Haarmeyer als kultureller Mittelpunkt Neuenkirchens. „Hier sollen weiterhin Theatervorstellungen stattfinden, Chorproben, Vereinstreffen und –sitzungen, Frauenkarneval, Musikveranstaltungen und natürlich auch das Kaffeetrinken nach Beerdigungen. Das Dorf wächst rasant, wir brauchen dringend einen kulturellen Treffpunkt. Was wäre dafür besser als dieses Haus mitten im Dorf gegenüber der Kirche?“ Ganz besonders der Erhalt des Saals in seiner im weiten Umkreis einzigartigen Form liegt allen am Herzen.

Um die Immobilie bis zu einer langfristigen Lösung vorübergehend nutzbar zu halten, werden bereits einige Maßnahmen ergriffen. Als wichtigste Voraussetzung für die Nutzung des Saals gilt eine funktionierende Heizung. Die bisherige Dampfheizung ist seit dem vergangenen Winter irreparabel defekt und muss dringend ersetzt werden. Der Anschluss an die Fernwärmeleitung der Biogasanlage Schulte Biogas GmbH steht nun kurz bevor, so dass Saal und Vorsaal in Kürze wieder zuverlässig beheizt werden können. Als nächste Baustelle steht die Reparatur eines Terrassendachs und einiger Abflüsse an, um das Eindringen von Regenwasser in die Außenwand zu verhindern. „Das sind die dringendsten Dinge, die wir jetzt in die Hand nehmen müssen.“

Zur gleichen Zeit beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Frage, wie es langfristig weiter gehen kann und beleuchtet konkret verschiedene Szenarien. Am liebsten wäre natürlich allen, einen neuen, engagierten Betreiber zu finden, der sich in die Immobilie verliebt und sie in altem Glanz erstrahlen lässt. So jemanden zu finden, ist schwierig. Also gilt es, während der dringenden Suche nach einem tragfähigen, dauerhaften Konzept für den Betrieb, eine Übergangslösung zu schaffen, um einen minimalen Betrieb aufrecht halten zu können. Das heißt, dass z.B. die Theateraufführungen, Chorproben und Tanzkursabende weiterhin stattfinden sollen. Auch mit dieser Übergangslösung beschäftigt sich der Arbeitskreis und beleuchtet im Ausschlussverfahren alle Optionen. Denn auch die Übergangslösung ist nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheint. Das Betreiben auch einer kleinen Gastronomie erfordert eine rechtliche Grundlage, die zu Schaffen einige steuer- und haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

„Wir sind mit dem Thema noch lange nicht durch“, hört man aus dem Arbeitskreis, „das wird uns noch einige Zeit beschäftigen.“ Trotzdem sind die Mitwirkenden zuversichtlich, eine gute Lösung für Neuenkirchen und das Gasthaus zu finden. Mit der Theatergruppe hat die Arbeitsgruppe bereits ein engagiertes Team gefunden, dessen Herz für den alten Haarmeyer schlägt. Neben den laufenden Theaterproben legen die Laienspieler in ehrenamtlicher Eigenleistung an Bühne und Saal Hand an, um es den Besuchern des Theaters gemütlich zu machen. „Auch wir wissen nicht, wie es hier weiter geht, deshalb können wir im Moment nur mit kleinen Mitteln versuchen, es den Gästen nett zu machen. Wir unterstützen die Sache aber auf jeden Fall, damit wir weiterhin beim Haarmeyer spielen können.“

Um die Übergangszeit bis zu einer endgültigen Lösung überbrücken zu können, ist neben einer Vielzahl von Ideen natürlich auch Manpower gefragt. Es werden ein Hausmeister, Reinigungskräfte und Servicekräfte gesucht, die auf 450 Euro Basis den kleinen, laufenden Betrieb unterstützen. Interessierte können sich gern beim Kirchenvorstand melden, Ansprechpartner sind Johannes Abing und Ulf Dieckmann.

Auch wenn noch keine spruchreife Lösung auf dem Tisch liegt, sind die Beteiligten der Arbeitsgruppe erst einmal erleichtert, dass keine Abrissbagger anrücken. In den nächsten Monaten geht die Suche nach einer Lösung weiter, die nicht leichtfertig übers Knie gebrochen werden soll. Bis dahin gilt der Gruß, den sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe optimistisch zurufen: „Wir sehen uns demnächst beim Haarmeyer!“

 

 

20. November 2018, 11:45 Uhr